break waves

Buhnen und Felssteine am Strand von Kühlungsborn 

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Villa Baltic

Vor 100 Jahren direkt am Strand gebaut, mit einem grenzenlosen Blick über die Ostsee, glänzte die neobarocke Villa Baltic 1910 mit Marmor, mit säulengestützter Veranda, mit Erkern, Türmchen und dem reich verzierten Giebel.

Im Ursprung ein Privathaus, wird das Anwesen als Nachlass 1931 ein Erholungsheim für jüdische Akademiker. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 diffamieren diese die Villa zum ‚Judenschloss‘, enteignen die Immobilie und nutzen sie als Gästehaus für die Naziführung. Nach Kriegsende dann kurz russisches Lazarett, wird es später von der DDR vereinnahmt. Erst Jahre nach der Wende erfolgte die Rückgabe an die rechtmäßigen Eigentümer. In der Folge wechselnde Investoren mit Ideen, die bisher nie umgesetzt werden konnten. Das erhabene Gebäude verfällt zusehends.

So verströmt der Bau heute statt prachtvoller Erhabenheit eine morbide Melancholie.

Die hohen Fenster sind mit Sperrholz vernagelt, die Wände im Erdgeschoss mit Graffiti besprüht, aus der Balkonbalustrade ist das mittlere Stück herausgebrochen. Ich spüre schon einen Stich ins Herz, jedes mal wenn ich die Villa Baltic in ihrer verborgenen Schönheit sehe. Ich würde diesen Lost Place gerne einmal mit meiner Kamera festhalten. Aber ich betrete nur ungern abgesperrtes Terrain.